Mobile Ideen aus der Zukunft
- Auszug aus dem Kundenmagazin der Porsche Bank

Mobile Ideen aus der Zukunft

Stanley Kubriks "2001: Space Odyssey" ist ein Klassiker des Science-Fiction- Films. In dem Werk aus dem Jahr 1968 gibt es eine Mondlandung, elegante Raumschiffe, futuristische Busse, sprechende Computer, künstliche Intelligenz und Geräte, die unseren heutigen Mobiltelefonen recht ähnlich sind. Science-Fiction ist mehr als pure Unterhaltung. Das Genre, das locker und losgelöst von allen Zwängen in die Zukunft schaut und neue Welten erfindet, interessiert auch Designer und Produktentwickler. Längst lassen sie sich auf der Suche nach futuristischen Konzepten von Science-Fiction-Literatur und -Filmen inspirieren.

Futurismus auf vier Rädern

Das Concept-Car AI:ME, das Audi im Frühjahr auf der Consumer Electronic Show in Las Vegas präsentiert hat, könnte aus so einem Film stammen. Es ist komplett selbstständig, kennt dank künstlicher Intelligenz die Vorlieben und Wünsche seiner Fahrgäste und schlägt im futuristischen Lounge-Innenraum vor, was man mit der gewonnenen freien Zeit auf dem Weg zwischen A und B anfangen könnte. Per Eyetracking bestellt man das Abendessen im Lieblingsrestaurant oder taucht mit einer Virtual-Reality-Brille in digitale Spielwelten ein. Klar, dass der AI:ME - ein Erlebniskonzept auf vier Rädern - einen Elektroantrieb hat.

Blick in die Zukunft

Einer, der einen Überblick über die mobilen Ideen aus der fiktionalen Zukunft hat, ist Thomas Le Blanc. Er ist der Gründer und Vorstand der Phantastischen Bibliothek in Wetzlar. Knapp 300.000 Bücher und Heftromane, die sich mit utopischen Zukunftsentwürfen befassen, hat er dort zusammengetragen - und stellt das Wissen auch Designern und Entwicklern aus der Industrie zur Verfügung. "Manchmal sind wir selbst verblüfft darüber, was die Autoren bereits alles vorhergesehen haben", sagte Le Blanc kürzlich in einem Interview. Der Elektroantrieb gehört ebenso dazu wie selbstfahrende Autos oder kleine Raumschiffe, die in Sekundenschnelle zu entfernten Planeten gelangen. Alles Dinge, die sich Generationen vor uns vorgestellt haben, und die nun langsam, aber doch Realität werden.

Weltraumaufzug und Audi Lunar Quattro

Gerade in einer Zeit, in der Mobilität, wie wir sie seit Jahrzehnten kennen, in Veränderung begriffen ist, haben außergewöhnliche Ideen und Visionen Hochkonjunktur. Wie der in vielen fiktionalen Filmen vorkommende Aufzug, der uns in Lichtgeschwindigkeit auf andere Planeten transportiert. Der Space Elevator könnte Nutzlasten zu einer Raumstation oder zu Satelliten befördern. Fremde Galaxien oder auch "nur" mehr oder weniger ferne Orte im Orbit zu erkunden, beflügelt seit Generationen unsere Ideenwelten. Auch 51 Jahre nachdem Neil Armstrong als erster Mensch einen Fuß auf den Mond gesetzt hat, bleibt die Faszination von Mondmissionen aufrecht. Audi hat in den vergangenen Jahren an der Mission Mondlandung mitgearbeitet und dafür das unbemannte Hightech-Fahrzeug Lunar Quattro entwickelt. Extrem leicht, geländegängig, mit Kamera-Augen und Solar-Paneelen zum Aufladen der Batterie. Ob die Reise zum Mond oder zum Mars irgendwann ebenso selbstverständlich für uns werden wird wie der Urlaub am Wörthersee, wird sich weisen. Zunächst müssen zuverlässige und erschwingliche Systeme entwickelt werden, die Materialien und Geräte für Experimente an Zielorte bringen, um Barrieren für die Forschung im Weltraum abzubauen.

Höher, schneller, weiter

Schon recht konkret ist ein anderes Projekt: der Hyperloop. Dabei rast eine Kapsel auf Schienen durch eigens konzipierte Röhren, in denen vakuumähnliche Luftverhältnisse herrschen. Der geringe Luftwiderstand soll Höchstgeschwindigkeiten von über 1.000 Stundenkilometern erlauben. Vor zwei Jahren hat das Hyperloop-Team aus München mit seinem Pod - so nennt man die Kabinenkapsel - mit 467 Stundenkilometern bei einem international ausgeschriebenen Wettbewerb in Los Angeles einen Weltrekord aufgestellt. Doch da soll langfristig noch weit mehr drin sein. Potenzial haben Hyperloop-Systeme, die derzeit von verschiedenen Teams in aller Welt entwickelt werden, besonders im Güter- und Personenverkehr. Hyperloop könnte selbst Hochgeschwindigkeitszügen oder Flugzeugen ordentlich Konkurrenz machen. München - Berlin in dreißig Minuten wäre wohl kaum zu toppen.

Das Auto fährt von allein

Selbstfahrende oder sprechende Autos sind spätestens seit Filmen wie "Knight-Rider" mit dem gewitzten K.I.T.T. im kollektiven Vorstellungsvermögen fest verankert. Mit Science-Fiction haben sie heute kaum mehr etwas zu tun. Elemente des autonomen Fahrens wie Spurhaltesysteme, adaptive Geschwindigkeitsregelung oder Parkassistenten sind heute selbstverständliche Features, die man nicht mehr missen möchte. Und es geht rasant weiter: So testete Volkswagen im Vorjahr auf einem Rundkurs in Hamburg den fahrerlosen e-Golf im Stadtverkehr. Dort, wo das autonome Fahren durch sich stets ändernde Anforderungen besonders komplex ist. Experten sind überzeugt, dass autonome Fahrzeuge in nicht allzu ferner Zukunft auf unseren Straßen gelebte Realität sein werden - und ganz neue Möglichkeiten für die Insassen und auch die Stadtentwicklung eröffnen.

Neue Leichtigkeit durch Ridesharing

Auch der Hype um die Flugtaxis könnte einem Science-Fiction-Szenario entstammen. Die vertikale Mobilität ist für viele Experten ein Fixstarter in den Verkehrskonzepten für wachsende Metropolen. Während Flugtaxis wohl eher etwas für betuchte Menschen bleiben dürften, ist Ridesharing eine innovative Verkehrslösung für Normalverdiener. Das Prinzip: Man teilt sich Fahrten in eine ähnliche Richtung. In Hannover und Hamburg ist das Sharing-Service MOIA, ein Tochterunternehmen des VW Konzerns, schon seit 2018 bzw. 2019 verfügbar. In der Hansestadt wurden im ersten Betriebsjahr immerhin knapp 1,9 Millionen Passagiere befördert. Das Service ist unkompliziert, flexibel und modern. Besonders junge, urbane Menschen schätzen die mobile Leichtigkeit von MOIA. Der Effekt für die Städte: weniger Stau sowie Parkplatzsuchverkehr und mehr Raum für Lebensqualität in der Stadt. Und das ist ja auch in vielen Science-Fiction- Szenarien das eigentliche Ziel: die Suche nach einer besseren und lebenswerteren Welt.

Vorstoß in neue Dimensionen

Auch die Drehbücher aktueller Science-Fiction-Autoren bleiben sich im Kern treu. Es geht immer noch um technischen Fortschritt, künstliche Intelligenz - ihren Mehrwert und Gefahren - und den Vorstoß in neue Dimensionen. Nur die Intensität, mit der an neuen Antriebstechnologien und Vernetzung gearbeitet wird, ist gestiegen. Der Klimawandel und eine wachsende Weltbevölkerung mit veränderten Mobilitätsbedürfnissen machen die Antworten aus der mobilen Zukunft dringlicher.

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