Fahren bei Schnee – darauf müssen Sie achten

Wenn die ersten Schneeflocken zu Boden gleiten, ist das für viele ein Grund zur Freude. Schneemänner werden gebaut, Schneeballschlachten ausgetragen und Schlitten gefahren. Doch wenn man etwas anderes als Kufen unter den Füßen hat – also ein motorisiertes Gefährt auf Rädern – gilt es einiges zu beachten. Schließlich möchte man sich selbst und auch andere in einer Jahreszeit, in der es rutschiger zugeht, nicht gefährden. Wertvolle Tipps für das sichere Fahren im Winter können Sie hier nachlesen.

Die Fahrbahn im Blick behalten

Bei Temperaturen um den Nullpunkt ist besondere Vorsicht geboten, denn die Straßenverhältnisse können sich nun besonders schnell ändern. Das sogenannte Blitzeis kann für unangenehme Überraschungen sorgen, denn hierbei wird die Fahrbahn urplötzlich spiegelglatt. Geben Sie vor allem auf Brücken, im Wald oder an schattigen Straßen Acht, denn hier hält sich das Eis auch bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt mitunter lange Zeit. Bei einer starken Verschlechterung der Fahrbedingungen lohnt es sich auf jeden Fall, eine Pause einzulegen. Warten Sie den Winterdienst ab, der wieder für eine leichter zu bewältigende Fahrbahn sorgt.

Die richtige Ausrüstung

Wie so oft ist eine gute Vorbereitung die halbe Miete. Neben dem Pannendreieck, der Warnweste und dem Erste-Hilfe-Koffer sollten Sie auch Folgendes in den Wintermonaten mit sich führen.

Eiskratzer & Schneebesen: für eine freie Sicht

Zur Winter-Grundausstattung zählen Eiskratzer und Schneebesen. Nur so ist eine gute Sicht möglich, was jetzt besonders wichtig ist. Denn der Winter zählt schließlich nicht nur als kalte, sondern auch als dunkle Jahreszeit. Nehmen Sie sich vor Fahrtantritt unbedingt die Zeit, um das Autodach ganz abzukehren. Auf dem Dach verbliebener Schnee, der womöglich andere Verkehrsteilnehmer treffen könnte, ist ein Sicherheitsrisiko und kann hohe Schadenersatzforderungen zur Folge haben. Zudem sollten alle Scheiben vollständig von Eis befreit werden. Werden bloß Sichtfenster freigekratzt, steht viel auf dem Spiel, denn dies stellt eine enorme Einschränkung der eigenen Sicherheit und auch jener anderer dar. Auch hier können empfindliche Geldstrafen die Folge sein.

Winterreifen: Basisausstattung für sicheres Fahren

Die Basis des sicheren Fahrens im Winter stellen die Winterreifen dar. Hierzulande werden zwischen Anfang November und Mitte April bei winterlichen Fahrverhältnissen Winterreifen vorgeschrieben. Das bedeutet, dass PKW und LKW mit einem höchstzulässigen Gesamtgewicht bis zu 3,5 Tonnen bei Schneefahrbahn, Schneematsch oder Eis nur dann gesteuert werden dürfen, wenn an allen Rädern Winterreifen montiert sind. Mit dem Merksatz “von Oktober bis Ostern” sind Sie in Sachen richtiger Bereifung immer auf der sicheren Seite.

Schneeketten: für Fortgeschrittene

Sehen Sie sich vorab an, wie man Schneeketten anbringt, so kommen Sie im Falle einer Kettenpflicht nicht in Verlegenheit, diese nicht richtig installieren zu können. Grundsätzlich werden sie auf die Antriebsräder montiert und es ist lediglich eine Geschwindigkeit von maximal 50 Stundenkilometern erlaubt. Schneeketten sind übrigens nur dann zulässig, wenn die Fahrbahn mit einer beinahe ununterbrochenen Schnee- oder Eisschicht bedeckt ist.

An Witterung angepasstes Fahrverhalten

Vom Fahrsicherheitstraining kennt man es: Der Bremsweg bei nasser Fahrbahn verlängert sich um ein Vielfaches. Ist die Fahrbahn nass, empfiehlt es sich daher, die Geschwindigkeit zu halbieren. Bei einer Schnee- und Eisfahrbahn wird sogar eine Verringerung um bis zu 70 Prozent angeraten. Weiters sollte der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug möglichst groß gehalten werden, um aufgrund des verlängerten Bremsweges nicht Gefahr zu laufen, einen Auffahrunfall zu haben.

DIE ANHALTEWEGE BEI VERSCHIEDENEN FAHRBAHNBEDINGUNGEN

Trockene Fahrbahn

Bei idealen Fahrbedingungen lässt sich ein Bremsweg von etwa 25 Metern errechnen, was inklusive Reaktionsweg einen Anhalteweg von rund 40 Metern bedeutet.

Schneefahrbahn

Bei einer schneebedeckten Fahrbahn erhöht sich der Bremsweg bereits um das Vierfache, also auf ca. 100 Meter. Abhängig vom Zustand des Schnees, also je nachdem, ob er matschig, festgefahren oder griffig ist, kann man hier bereits von einem Anhalteweg von rund 115 Metern rechnen.

Glatteis

Der gesamte Anhalteweg bei Glatteis erhöht sich nochmals drastisch, abhängig von der Eistemperatur auf bis zu 265 Meter.

Lediglich bei einer Vollbremsung lassen sich diese Werte in etwa halbieren. Aus diesen Gründen ist es überaus wichtig, die Geschwindigkeit an die Straßenverhältnisse anzupassen.

Wie bereits erwähnt sind auch die Lichtverhältnisse im Winter etwas düsterer als in anderen Jahreszeiten. Um Ihre Sichtbarkeit zu erhöhen, empfiehlt es sich, immer mit eingeschaltetem Abblendlicht zu fahren und wenn nötig auch die Nebelscheinwerfer zu aktivieren.

Fahren bei niedrigerer Drehzahl

Im Winter geht es vor allem darum, die Straßenhaftung zu verbessern. Ein Tipp ist, untertourig zu fahren, denn bei niedriger Drehzahl können die Reifen einen besseren Grip aufbauen. Schalten Sie also bei rutschigen Fahrverhältnissen früher als gewohnt in den nächsten Gang.

Ruhige Lenkmanöver

Ruckartiges Lenken kann das Auto ins Rutschen oder im schlimmsten Fall sogar ins Schleudern bringen. Besonders in unvorhergesehenen Situationen sollten Sie darauf achten, besonnen zu steuern, damit die Haftung des Fahrzeugs am Untergrund nicht verloren geht. Generell gilt: Bewahren Sie Ruhe, vor allem in Extremsituationen. Sollte Ihr PKW ins Rutschen oder gar Schleudern geraten, versuchen Sie folgende Punkte zu befolgen:

  • Nehmen Sie den Fuß vom Gas.

  • Kuppeln Sie aus.

  • Lenken Sie behutsam in die gewünschte Richtung und bremsen Sie dabei sanft.

Eine Reduktion der Geschwindigkeit in Kombination mit gefühlvollem Gegenlenken kann dabei helfen, das Auto wieder unter Kontrolle zu bekommen.

Auch wenn das Fahrzeug in der Kurve aus der Bahn gerät, sollten Sie keine hektischen Lenkmanöver vollziehen. Treten Sie lieber fest und ohne Unterlass auf die Bremse und korrigieren Sie nur sanft. Behalten Sie einen kühlen Kopf: In den meisten Fällen reichen wenige Stundenkilometer Tempoabbau, bis der PKW wieder kontrollierbar ist.

Hinweis für Automatikautos: Bei modernen Modellen sorgt die Elektronik für eine gewisse Traktionskontrolle. Geben Sie jedoch sehr behutsam Gas, wenn Sie auf Glätte anfahren. Bei älteren Modellen empfiehlt sich für eine sanfte Bremsung die Stellung des Wählhebels auf “N” – so werden Antriebseinflüsse umgangen.

ESP einschalten

Wenn Ihr Fahrzeug über ein elektronisches Stabilitätsprogramm – kurz ESP – verfügt, sollten Sie es auf einer Schnee- und Eisfahrbahn eingeschaltet lassen. Es hilft beim Stabilisieren des Fahrzeugs. Bei winterlichen Fahrbahnen ist es jedoch dennoch ratsam, sich nicht ganz darauf zu verlassen. Wichtig: Passen Sie auch mit aktiviertem ESP Ihre Fahrweise an die Fahrverhältnisse an. Sollte das Auto nicht mehr reagieren, hilft nur eine Vollbremsung.

Sie sehen: Allen voran gilt es, gut vorbereitet zu sein und sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. So können Sie möglichst besonnen reagieren und vermeiden unüberlegte Kurzschlussreaktionen, die eine unangenehme Situation womöglich noch verstärken könnte.

Zum Schluss haben wir noch zwei Tipps für Sie

Beugen Sie technischem Gebrechen vor

Lassen Sie Ihr Fahrzeug regelmäßig servicieren und warten.

Sichern Sie sich gegen äußere Einflüsse ab

Schließen Sie eine Teilkasko- oder Vollkaskoversicherung ab.